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„Hackathon“ – Eine mächtige Methodik in Zeiten der Transformation effizient nutzen

04.07.2019

Neue Herausforderungen lösungsorientiert und effizient anzugehen, verlangt nach neuen Methoden. Eine Erfolgsgeschichte schreibt der Hackathon, ein strukturierter und iterativer Prozess zur Bewältigung vielfältiger Probleme und Generierung relevanter Lösungen. Prof. Dr. Max Ringlstetter und sein Team vom IDM – Institut für digitales Management - erklären, wie der vom IDM weiterentwickelte Hackathon funktioniert und welchen hohen Mehrwert er in kürzester Zeit für Unternehmen und Banken schaffen kann.

Besonders in der heutigen Zeit kann man verfolgen, mit welch' hoher Geschwindigkeit etablierte Unternehmen über alle Branchen und Bereiche hinweg mit verschärften und sich stark ändernden Wettbewerbs- und Kundenanforderungen konfrontiert sind. Treiber wie „digitale Geschäftsmodelle“, „disruptive Plattform- und Ökosysteme“ oder „Service-Transformationen“ verändern Unternehmen sowie Märkte nachhaltig und zwingen Organisationen, ihr altbewährtes Geschäftsmodell zu überdenken und anzupassen. Dies trifft nicht nur den gescholtenen Einzelhandel, der dem übermächtig zu scheinenden Online-Handel gegenübersteht, sondern hat auch die Banken längst erreicht.

Den komplexen Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung, Geschäftsmodellinnovation und Organisationsentwicklungen effizient die Stirn bieten

Auch die Bankenwelt transformiert sich zunehmend in ein branchenübergreifendes Ökosystem, in dem integrierte Finanzdienstleistungen, neue regulatorische Anforderungen und technische Innovationen der Digitalisierung besonders im Fokus stehen. Doch die zur Transformation notwendigen und komplexen Veränderungsprozesse stellen Banken insbesondere aus personal- und organisationsentwicklungsspezifischer Perspektive vor besondere Herausforderungen: Anpassung der Unternehmensstrategie und -kultur, Entwicklung bislang fehlender Kompetenzen, Implementierung neuer Arbeitsweisen und Prozesse sowie das Aufbrechen tradierter Verhaltens- und Denkweisen sowohl auf Organisations- wie auch auf Team- und Mitarbeiterebene. Doch wie lässt sich der regulatorische Imperativ „Du sollst kein Risiko eingehen!“ vereinen mit dem neuzeitlichen Dogma „Scheitere oft, aber scheitere schnell!“ („fail often, but fail fast“)?

Bei Transformationen, die durch (technische) Innovationen getrieben sind, handelt es sich um eine Medaille mit zwei Seiten: Zum einen ermöglichen sie die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und stellen somit eine wichtige Möglichkeit für Banken dar, auf sich verändernde Kunden- und Marktanforderungen zu reagieren und neue Wertschöpfungsbeiträge zu generieren. Zum anderen schreitet die Digitalisierung der Arbeitswelt über den verstärkten Einzug von digitalen Arbeitsprozessen in den Organisationen Tag für Tag voran. Dies hat zur Folge, dass Mitarbeiter sich entsprechend mit diesen neuen Technologien und Prozessen zurechtfinden müssen. Somit werden nicht nur der einzelne Mitarbeiter, sondern auch die Organisation von Personalarbeit (Arbeit 4.0) und Führungskräfte vor unbekannte Herausforderungen gestellt. Doch wie können Banken hier adäquat reagieren?

“Hackathons”: Das Zaubermittel zur Reduktion von Komplexität und Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen auf die Probleme von heute und morgen?

Insbesondere Führungskräfte spielen bei der Bewältigung der skizzierten Herausforderungen innerhalb der Banken eine besondere Rolle und müssen die neue Kultur mit gutem Beispiel vorleben („leadership by example“). Geeignete Prozesse wie agiles Projektmanagement, „Scrum“ oder „Hackathons“ sowie Ressourcen und Strukturen müssen bereitgestellt werden. Nur so können notwendige Impulse von oben durch die Organisation diffundiert werden. Unterschiedliche Teams müssen sich fachübergreifend mit dem Ziel austauschen, einen Mehrwert zu schaffen, der über die Summe der einzelnen Disziplinen hinausreicht. Doch welches konkrete Handwerkszeug kann hier den Banken an die Hand gegeben werden? Eine geeignete Plattform für diese Art der Zusammenarbeit und Entwicklung neuer technischer Innovationen bietet der sogenannte „Hackathon“. Dieser Ansatz stammt ursprünglich aus dem Bereich der Softwareentwicklung und lässt sich mit dem Konzept der Interdisziplinarität von Teams sehr gut verbinden. Hackathons als Möglichkeit der agilen Projektentwicklung sind mittlerweile ein etabliertes Format im Bereich des Innovationsmanagements. Basierend auf einem vordefinierten Prozess und unter Moderation von Experten können innovative Resultate für schwierige Probleme und Herausforderungen in kürzester Zeit entwickelt werden. Viele große Firmen wie Audi, aber auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken unter Federführung der DZ Bank haben diese Art der erfolgreichen Innovationsgenerierung für sich entdeckt.

Ablauf, Methodik und Mehrwert eines Hackathons als Ideen- und Lösungsschmiede

Hackathon-Modelle basieren generell auf dem Ursprungsmodell der Stanford University. Das vom IDM - Institut für digitales Management - entwickelte Modell (siehe Bild) wurde insbesondere auf den Kontext des Innovationsmanagements, der Organisationsentwicklung und des Management/ Leadership hin ausgerichtet und konnte bereits branchenübergreifend zur Generierung konkreter praktischer Lösungen erfolgreich angewandt werden.

Methodik und Vorgehen – Agile Vorgehensweise ermöglicht die Generierung von zahlreichen Ideen in kurzer Zeit.

Der iterative und in Sprints stattfindende Hackathon-Prozess untergliedert sich im Rahmen dieses Modells in 5 zentrale Phasen:

Phasen “Verständnis" und "Zielgruppe“:

Da normalerweise bei der Bewältigung von Problemen reflexartig auf die Generierung von Lösungen gesprungen wird, ohne das Problem und seine Zielgruppe genau zu kennen, wird zu Beginn des Hackathons das Problem bewusst in all seine Einzelteile und Sub-Elemente zerlegt und konkret beschrieben. Auch deren Zielgruppen, Nutzer und Adressaten werde  detailliert definiert. Dies stellt sicher, dass ein einheitliches Verständnis der Teilnehmer über das zu lösenden Problem und die zu adressierende Zielgruppe herrscht.

Phase „Ideenfindung“:

Im Rahmen der dritten Phase werden pro klar definiertem Problem innerhalb der Gruppe (4-5 Teilnehmer) bis zu 20-30 Lösungsansätze generiert – hier gilt das Stichwort: „Quantität vor Qualität“. In dieser Phase sind Teilnehmer oft selbst überrascht, wie viele Lösungsansätze in kürzester Zeit skizziert werden und wie viel Spaß Kreativität sowie Freiraum und Zeit zum „Denken“ machen können. Diese bewusste Zeit ist im Arbeitsalltag oft Mangelware.

Phase „Prototyp“:

Weitere Methoden wie die „Evaluations-Matrix“ und andere Bewertungstechniken erlauben es, sich in der Gruppe auf eine spezifische Idee zu einigen und diese als Prototypen zu entwickeln. Dies kann, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, ein sogenanntes „Mockup“ (digitale Simulation), ein spezifischer Prozess oder die Visualisierung eines neuen Geschäftsmodells oder einer Plattform sein. Hier kennt die Kreativität keine Grenzen. Im Rahmen von zweitägigen Workshops werden die erarbeiteten Lösungen teilweise über Nacht digitalisiert bzw. umgesetzt und können am nächsten Tag bereits getestet und über die iterativen Schleifen hinweg optimiert und weiterentwickelt werden.

Phase „Testen“:

In der letzten Phase wird die entwickelte Lösung auf Herz und Nieren getestet und kritisch beäugt. Auch werden Schwachstellen beseitigt und eine weitere Ablaufplanung für die Implementierung in der Organisation definiert. Diese stellt sich u.a. folgende Fragen:
Wann stellen wir diese Lösung Entscheidungsträgern innerhalb unserer Organisation vor?
In welcher Art und Weise wird diese präsentiert?
Wer soll „Eigentümer und Kümmerer“ der Lösung werden und wann wird diese in die Organisation konkret umgesetzt?

Abgerundet wird Phase 5 über einen kurzen Elevator-Pitch, der auf der einen Seite die Teams zwingt, ihre entwickelte Lösung auf den Punkt zu bringen und auch innerhalb des Workshops den Austausch zu fördern.

Der stringente und teilweise auch (bewusst) unter Zeitdruck  stattfindende Hackathon erlaubt die Lösung von Problemen und Generierung von implementierungsreifen Produkten in 1 oder 2 Tagen. Der gesamte Prozess ist in seiner Methodik recht sensibel und folgt komplexen Prozessen im Hintergrund, welche für die Teilnehmer nicht immer ersichtlich sind, aber von den Moderatoren professionell gesteuert werden müssen. Somit ist eine „neutrale“ und mit dem Prozess des Hackathon vertraute Moderation für den schlussendlichen Erfolg neben der notwendigen Expertise in den jeweiligen Fachgebieten essentiell.  

 

Rückmeldungen von Teilnehmern

Teilnehmer solcher Hackathons berichten häufig über das sehr praxisbezogene und kurzweilige Workshop-Format, welches auf konkrete relevante Probleme aus der Organisation als Grundlage abzielt. Die gemeinsame Arbeit in Teams, in stetiger Abwechslung von Erarbeiten und Präsentieren werden oft als sehr effizient und motivierend beschrieben. Insbesondere die Möglichkeit, in einem sicheren Rahmen und mit viel Freiraum „Denken zu dürfen“ und kreativ sein zu müssen, ist eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag und liefert wichtige Impulse. Wie bereits erwähnt, kann das volle Potential und die gewinnbringende Geschwindigkeit dieser Methodik aber nur unter professioneller Moderation geschöpft werden.



Autoren

Prof. Dr. Max Ringlstetter ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Organisation und Personal an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Zudem leitet er das IDM - Institut für digitales Management (https://www.institut-fuer-digitales-management.de/), welches Unternehmen in verschiedensten Branchen und Größen in den Bereichen der Digitalisierung und der Organisationsentwicklung (u.a. HR Analytics) berät.


Vinzenz Krause ist geschäftsführender Gesellschafter des IDM sowie Dozent an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Vinzenz Krause verantwortet am IDM den Bereich HR Analytics & Organisationsentwicklung und war zuvor als Senior Consultant im Bereich der Geschäftsmodellinnovation und des Change Managements international tätig.


Dr. Daniel Alt ist geschäftsführender Gesellschafter des IDM und leitet den Bereich Digitalisierung & das hauseigene InnovationLab. Zudem forscht und lehrt Dr. Daniel Alt im Bereich der Mittelstandsfinanzierung, Hausbankprinzip und Innovationsmanagement. Zuvor arbeitete er als Firmenkundenberater in der Volksbank Forchheim eG und war als Manager im Fintech-Bereich tätig.


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